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Liner Notes

Gerd Dudek spielt Coltrane

Gerd Dudek ist kein Mann vieler Worte. Seine bevorzugte Sprache ist die Musik. Aber wenn man ihn nach seiner Erfahrung mit John Coltrane fragt, wird er recht gesprächig: „Das muss 1960 gewesen sein. Der WDR – Radio und Fernsehsender in Köln – hatte eine Aufnahme in Düsseldorf organisiert. Drei Gruppen waren angekündigt: Miles Davis, Stan Getz und Oscar Peterson. Aber Miles wollte nicht spielen. Deshalb spielte Coltrane dann mit Miles‘ Band, Wynton Kelly, Paul Chambers, Jimmy Cobb. Stan Getz und Oscar Peterson stiegen später auch ein. Verrückt!“ Für Dudek war das ein unvergessliches Erlebnis. „Er hatte so viel Spirit in seinem Spiel.“

Zur gleichen Zeit, im Alter von 22, hob Gerd Dudek’s Karriere richtig ab. In den nächsten Jahren spielte er in der Kurt Edelhagen Band, damals die renommierteste jazz-orientierte deutsche Big Band. Er verließ Edelhagen 1964 und engagierte sich fortan in der deutschen Free Jazz Szene als Mitglied des Quintetts des Trompeters Manfred Schoof. Und 1966 war er eines der Gründungsmitglieder des Globe Unity Orchestra, des legendären großen Free Jazz Ensemble, das von Pianist Alexander von Schlippenbach geführt wurde. Dudek’s brilliante Technik an Saxofonen, Klarinette und Flöte, zusammen mit seiner Kreativität und Anpassungsfähigkeit erlaubten ihm, alles zu spielen zwischen Mainstream und Free Jazz, und genau das hat er seither kontinuierlich getan. Er war Mitglied des Quintetts des verstorbenen Posaunisten Albert Mangelsdorff in den 1970er Jahren, und er spielt mit Bassist Ali Haurands European Jazz Quintet und Ensemble seit mehr als 35 Jahren. International hat er mit George Russell, Don Cherry, Lester Bowie, Mal Waldron und Tony Oxley gearbeitet, aber die meiste Zeit blieb er lieber in Deutschland.

Dieses Konzert wurde live vor einem enthusiastischen Publikum in Kölns bekannter Spielstätte und Aufnahmestudio Loft aufgenommen. Bei dieser Rückkehr zu Coltrane wird Dudek begleitet von einigen der besten Jazz-Musiker Deutschlands. Am Klavier sitzt Martin Sasse, der sich immer darauf konzentriert, Schönheit und Swing zu kreieren, und der Dudek ganz uneigennützig begleitet. Am Bass beweist Martin Gjakonovski, der gebürtige Mazedonier in Köln, seine führende Position unter den europäischen Bassisten mit seinem untrüglichen harmonischen Verständnis und eindrücklichem Sound. Am Schlagzeug treibt Hendrik Smock die Band mit Energie und Fingerspitzengefühl. Und dann ist da natürlich Gerd Dudek, der sich gerade rechtzeitig von einer schweren Erkältung erholt hatte, um seine Emotionen mit voller Kraft in seinen so kultivierten Sound an Tenor- und Sopransaxofon einzubringen.

Es ist schwierig, Songs für ein Coltrane Tribute auszuwählen, denn Coltrane hat uns so viele  Interpretationen hinterlassen, die sich in das Bewusstsein der Jazz-Gemeinschaft eingebrannt haben. Dieses Tribute beginnt mit „Afro Blue“, das der Latin Jazz Perkussionist Mongo Santamaria 1959 schrieb und aufnahm. Mit seiner einprägsamen singbaren Melodie wurde es schnell zum Jazz Standard. John Coltrane spielte es häufig in Konzerten mit seinem berühmten Quartett mit McCoy Tyner, Jimmy Garrison und Elvin Jones, etwa in Berlin 1962 in einem Konzert, das posthum als „Afro Blue Impressions“ auf Pablo herausgebracht wurde. Gerd Dudek stellt die Melodie am Sopransaxofon vor, aber begibt sich bald auf eine erfindungsreiche solistische Reise, die von der gut zusammenwirkenden Band mit Smock’s regelmäßigen Impulsschüben am Schlagzeug getragen wird. Dann folgt Martin Sasse mit schönem Solo am Klavier, das mehr auf melodische als auf perkussive Wirkung à la Tyner zielt, bevor Dudek zur Melodie zurückkehrt und das Stück zum Abschluss bringt.

„Summertime“ wurde von George Gershwin für seine Oper Porgy & Bess komponiert, die 1935 ihre Premiere feierte. Es wurde als Gesangstitel mit Text von DuBose Heyward und Ira Gershwin geschrieben und ist zu einem der populärsten Jazz Standards aller Zeiten geworden, sowohl für Sänger als auch für Instrumentalisten. Coltrane nahm den Song 1960 für sein Atlantic Album „My Favorite Things“ auf. Gerd Dudek spielt hier Tenor und nimmt den Song mit seiner wilden Improvisation über den gesamten Frequenzbereich seines Horns auseinander. Martin Gjakonovski’s kleveres Bass-Solo gibt Dudek eine kurze Pause, bevor er sich wieder an die Arbeit macht.

Harold Arlen und Johnny Mercer schrieben „Out Of This World“ 1944 für einen Film gleichen Namens, in dem Bing Crosby den Song sang. Seine verzaubernde Melodie hat seitdem immer wieder Jazz-SängerInnen von Jo Stafford bis Jamie Cullum angezogen. Coltrane nahm den Song 1962 für sein erstes Album für Impulse mit dem Titel „Coltrane“ auf und spielte es wiederholt live. Gerd Dudeks Tenorsaxofon bleibt hier näher an der Melodie. Martin Sasse und Martin Gjakonovski improvisieren kreativ und entspannt miteinander über Hendrik Smock’s Beckenarbeit.

 „Soul Eyes“ wurde als Instrumentaltitel von Mal Waldron geschrieben, der es 1957 zum ersten Mal aufnahm. Coltrane griff es 1962 für sein „Coltrane“ Album auf. Dudek spielt die schöne Melodie respektvoll am Tenor und trifft Waldron’s melancholische Interpretation. Sasse versucht nicht, Waldron’s Stil der harmonischen und rhythmischen Mikro-Verschiebungen zu kopieren, sondern interpretiert die Melodie auf seine Weise.

Die einzige Coltrane-Komposition in dieser Auswahl ist „Impressions“. Er nahm es 1961 im Village Vanguard in New York City auf und veröffentlichte die Aufnahme 1963 auf dem Impulse-Album gleichen Namens. Danach spielte er es immer wieder in seinen Konzerten, um in seinen ausgedehnten Improvisationen in seinen Bewusstseinsstrom abzutauchen. Und genauso nutzt es auch Gerd Dudek hier. Sein langes Solo fließt wunderschön, dann übernimmt Martin Sasse mit einer inspirierten Exkursion, bevor Hendrik Smock ein geschmackvolles und sehr musikalisches Solo beisteuert.

Der letzte Song ist die alte Ballade „Everytime we say goodbye“, die Cole Porter für das Broadway Musical „Seven Lively Arts“ 1944 schrieb. Ella Fitzgerald verewigte den Song auf ihrem Cole Porter Songbook 1956, eine Version, die Coltrane sicherlich inspirierte, ihn 1960 für sein Atlantic-Album „My Favorite Things“ aufzunehmen. Gerd Dudek erweist sich hier als großartiger Balladenspieler am Sopran. Er bleibt zunächst nahe an Porter‘s Melodie, dann beginnt er, seine eigenen Melodien in der gleichen Stimmung zu kreieren. Martin Sasse und Martin Gjakonovski spielen ihre sehr melodischen Solos über Hendrik Smock’s zurückhaltender Begleitung. Als Gerd Dudek mit der Rückkehr zur Melodie das Stück abschließt, feiert das Publikum diese meisterhafte Darbietung mit herzlichem Applaus.

Diese Aufnahme stellt eine deutsche Jazz Legende in den Mittelpunkt, die ihre Meisterschaft in jedem Titel beweist. Das enge Zusammenspiel dieser Spitzenband macht Gerd Dudek’s Coltrane Tribute auf allen Ebenen erfolgreich. „Er hatte so viel Spirit in seinem Spiel.“ Diese Aussage trifft auch auf Gerd Dudek zu.

Hans-Bernd Kittlaus

 

Will man dieser CD einen Titel geben, so würde ich sie am liebsten Tribute to Coltrane nennen.

Hier haben zwei kongeniale Musikerkollegen die Idee, Coltranes musikalische Meilensteine mit neuem Leben zu füllen und es ist vom ersten Moment an klar: Es ist ihnen gelungen!

Gerd Dudek – mein alter Freund und Weggefährte – zeigt hier mal wieder, dass er John Coltrane an Virtuosität und Ideenreichtum ebenbürtig ist.

Dies gelingt ihm besonders auch, weil er in Martin Sasse einen Partner hat, der die Faszination eines McCoy Tyner auf unmissverständlich – geniale Weise nachvollzieht und so dem Ganzen zu der Einheitlichkeit verhilft, die man beim Anhören der Musik erkennt.

Hinzu kommt eine Rhythmusgruppe: Martin Gjakonovski, Bass; und Hendrik Smock, Schlagzeug, die das Ganze im Coltraneschen Sinne trägt und mit Drive und Spannung abrundet.

Eine schöne CD, die man immer wieder gerne auflegen wird.

Manfred Schoof

 

Gerd Dudek Plays Coltrane

 Gerd Dudek is not a man of many words. His primary language is music. But when asked about his experiences with John Coltrane he becomes quite eloquent: „That must have been in 1960. The WDR – German radio and TV station in Cologne – had organized a recording in Düsseldorf. Three groups were announced: Miles Davis, Stan Getz and Oscar Peterson. But Miles did not want to play. So Coltrane played with Miles‘ band, Wynton Kelly, Paul Chambers, Jimmy Cobb. Stan Getz and Oscar Peterson also joined in. Crazy!“ For Dudek, it was an unforgettable experience. „He had so much spirit in his playing.“

It was just at that point in time, at the age of 22, when Gerd Dudek’s career really took off. In the next couple of years he played in the Kurt Edelhagen Band, the number 1 jazz-oriented German big band at the time. After leaving Edelhagen in 1964, he got into the German Free Jazz scene playing with trumpeter Manfred Schoof’s Quintet. And in 1966, he happened to be one of the founding members of the Globe Unity Orchestra, the legendary big Free Jazz Ensemble led by pianist Alexander von Schlippenbach. Dudek’s brilliant technique on saxophones, clarinet and flute, along with his creativity and adaptability enabled him to play everything between Mainstream and Free Jazz, and that is what he has been doing ever since. He was a member of the late, great trombone player Albert Mangelsdorff’s Quintet in the 1970’s, and he has been playing with bassist Ali Haurand’s European Jazz Quintet and Ensemble for more than 35 years. Internationally, he played with George Russell, Don Cherry, Lester Bowie, Mal Waldron and Tony Oxley, but most of the time he preferred to stay in Germany.

With this concert recorded live in front of an enthusiastic audience at Cologne’s renowned performance space and recording studio Loft, Gerd Dudek returns to Coltrane. He is accompanied by some of the finest jazz musicians Germany has to offer. On piano there is Martin Sasse who never falters in his determination to create beauty and swing, and who comps behind Dudek in a most supportive way. On bass, Martin Gjakonovski, the Macedonian native with a Cologne homebase, proves his leading position among bassists in Europe with his unerring harmonic understanding and big ears and big sound. On drums, Hendrik Smock drives the band with power and finesse. And then there is Gerd Dudek who had just recovered from a bad cold in time for the concert and played his heart out with his most cultivated sound on tenor and soprano sax.

It is difficult to select songs for a Coltrane tribute since Coltrane left us so many iconic interpretations. This tribute starts with „Afro Blue“, which Latin Jazz percussionist Mongo Santamaria wrote and recorded in 1959. With its intriguing singable melody, it quickly became a jazz standard. John Coltrane frequently played it live with his famous quartet with McCoy Tyner, Jimmy Garrison and Elvin Jones, e.g. in Berlin 1962, a concert that was posthumously released as „Afro Blue Impressions“ on Pablo. Gerd Dudek introduces the melody on soprano, then quickly embarkes on an inventive solo journey carried by the tight band with Smock’s frequent „bombs“ on the drums. Next is Martin Sasse with some beautiful piano lines delivered with his focus more on melody than on Tyner-like percussive impact, before Dudek returns to the melody and wraps it up.

„Summertime“ was composed by George Gershwin for his opera Porgy & Bess which premiered in 1935. It was written as a vocal with lyrics by DuBose Heyward and Ira Gershwin and has become one of the most popular jazz standards of all time, both in vocal and instrumental versions. Coltrane recorded it in 1960 for his Atlantic album „My Favorite Things“. Gerd Dudek plays tenor here and tears the song up with his wild improvisation utilizing the whole range of his horn. Martin Gjakonovski’s clever bass solo gives him a short break before he goes at it again.

Harold Arlen and Johnny Mercer wrote „Out Of This World“ for a movie of the same name in 1944 in which Bing Crosby sang it. Its haunting melody has attracted jazz singers ever since from Jo Stafford to Jamie Cullum. Coltrane recorded it in 1962 for his first album for Impulse named „Coltrane“ and performed it live repeatedly. Gerd Dudek’s tenor sax stays closer to the melody here. Martin Sasse and Martin Gjakonovski inventively improvise around each other in a relaxed way grounded by Hendrik Smock’s cymbal work.

„Soul Eyes“ was written as an instrumental by Mal Waldron who recorded it in 1957 for the first time. Coltrane picked it up in 1962 for the „Coltrane“ album. Dudek gives the beautiful melody a respectful reading on tenor that catches Waldron’s melancholy interpretation. Sasse does not try to imitate Waldron’s style of sequencing harmonic and rhythmic micro-shifts, but rather interprets the melody his own way.

The only Coltrane composition in this selection is „Impressions“. He recorded it at the Village Vanguard in New York City in 1961 and released that recording on his Impulse album of the same name in 1963. He continued to use it for extended improvisations in his concerts diving into his stream of consciousness. And that is exactly how Gerd Dudek uses it here. His long solo flows beautifully, then Martin Sasse takes over for an inspired excursion before Hendrik Smock plays a tasteful and very musical solo.

The last selection is the old ballad „Everytime we say goodbye“ that Cole Porter wrote for the Broadway musical „Seven Lively Arts“ in 1944. Ella Fitzgerald immortalized the song in her Cole Porter Songbook in 1956 which certainly inspired Coltrane to record it for his Atlantic album „My Favorite Things“  in 1960. Gerd Dudek excels as a superb ballad interpreter on soprano here staying close to Porter‘s melody at first, but then starting to create his own melodies in the same mood. Martin Sasse and Martin Gjakonovski each play their highly melodic solos over Hendrik Smock’s low key accompaniment. When Gerd Dudek brings the melody home the audience celebrates this masterful performance with a heart-felt ovation.

This recording puts a German jazz legend into a spotlight that proves his mastery with every track. The tight interplay of this top notch band makes Gerd Dudek’s Coltrane tribute succeed on all levels. „He had so much spirit in his playing.“ That statement applies to Gerd Dudek as well.

Hans-Bernd Kittlaus

 

If you want to give this CD a title, I would call it “Tribute to Coltrane”.

Here are two congenial fellow musicians with a mission to fill Coltrane’s musical milestones with new life and it is clear from the first moment: They have succeeded!

Gerd Dudek – my old friend and companion – here shows once again that he is John Coltrane’s equal in virtuosity and inventiveness.
In particular he succeeds very well because he has a partner in Martin Sasse, who reproduces the equivalent of McCoy Tyner in a fascinating, ingenious way, and so brings the whole thing to a togetherness that can easily be recognized while listening to the music.
Furthermore, the rhythm section: Martin Gjakonovski, bass; and Hendrik Smock, drums, carry the whole session, rounding it off with drive and tension.

This is a beautiful CD that you will want to hear again and again.

Manfred Schoof